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Glück auf, Glück auf! Der Steiger kommt.
Und er hat sein helles Licht bei der Nacht,
und er hat sein helles Licht bei der Nacht
schon angezündt, schon angezündt.
Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt…
…so sang's der Herbert – und ich wollte es mal ausprobieren.
Allerdings nicht tief im Westen, sondern tief im Osten, in Sondershausen, um genau zu sein.
Und es handelte sich bei mir auch nicht um ein Kohlebergwerk, sondern um ein Kalibergwerk, das älteste noch befahrbare der Welt. Hier wurde 2002 der weltweit erste Untertage-Marathon ausgetragen, und in diesem Jahr das zehnte Mal aufgelegt. Aber: Was genau ist ein Untertage-Marathon überhaupt? Dazu der Veranstalter:
"Der Marathon wird auf einem Rundkurs von 5,2 km absolviert und weist ein stark profiliertes Gelände mit einem Höhenunterschied von 160 m je Runde auf. Acht Runden sind zu laufen. Auf der Strecke befinden sich Steigungen und Gefälle bis 23 %. Die Temperaturen bewegen sich zwischen 22 und 31 °C (abhängig von Höhe und Frischluftzufuhr des jeweiligen Streckenabschnitts). Die Luftfeuchtigkeit sinkt teilweise deutlich unter 30 %. Den Marathonläufern wird daher eine hohe physische und psychische Leistung abverlangt, der sich nur sehr gut trainierte Läufer stellen sollten. … Alle Teilnehmer sind verpflichtet, Helme zu tragen. Der Untergrund ist uneben, glatt und staubig. Aufgrund schlechter Beleuchtung ist der Boden auf Teilen der Strecke nicht zu sehen. Daher werden Lampen zum Lauf empfohlen."
Der ambitionierte Triathlet denkt sich: „hm, naja, dann mal auf ins Training“. Jeder andere Mensch denkt sich vermutlich: „WIESO?!!!?“
Gut, die Motivation der anderen 399 Starter kenn ich natürlich nicht, aber meine war klar: Mentale Stärkung! Ich wollte Bedenken ab- und Überzeugung aufbauen, daß ich den abschließenden Marathon beim bevorstehenden Ironman im Juli bewältigen kann. Getreu dem Motto: Wenn ich diesen Marathon schaffe, dann schaff ich den beim Ironman auch!
Und so ging ich dieses Untertage-Projekt an. Vorbereitungszeit: 6 Wochen, davon eine Woche im Ausland, die ich – zeitoptimiert - als Ruhewoche einplante. Trotzdem war die Vorbereitungszeit nicht wirklich üppig bemessen. Aber ich wollte ja auch nix reißen, keine Bestzeiten in den Berg brennen. Ich wollte gut durchkommen, auf keinen Fall aufgeben oder gar rausgenommen werden, sondern mit einem Lächeln im Ziel einlaufen.
Deswegen mußte ich zielgerichtet trainieren. So wechselten sich lange, ruhige Läufe mit kurzen, knackigen Bergeinheiten ab. Ich machte keine Tempoläufe, kein Intervalltraining. Eine riesengroße Hilfe bei dem Training war natürlich der trockenste November seit Wetteraufzeichnung. Denn wenn schon im Dunkeln und Kalten laufen, dann ist es sehr angenehm, wenn man nicht noch zusätzlich naß wird. Das Wetter hätte für November nicht besser (zum Laufen) sein können! Insgesamt lief ich in den 6 Wochen ca. 450km und 5000hm. Aber - sollte das reichen? Hm…
Samstag, 3. Dezember 2011, 5:30h: Ich holte Hermann und Sabine ab, die mich auf meinem salzigen Weg anfeuerungstechnisch begleiten wollten. Wir zuckelten mit gefühlten 10km/h in den wilden Osten, denn obwohl das Außenthermometer im Auto +3°C anzeigte, war die Straße extrem glatt. Und das sollte nicht das letzte Mal sein, daß es an dem Tag rutschig wurde…
Wir waren aber trotzdem noch sehr zeitig in Sondershausen und hatten somit ausreichend Zeit zum Einchecken, Einfahren und mental Einstimmen – 700 Meter unter der Erde.
Der Startgong wurde um Punkt 10 Uhr geschlagen, dann gingen 400 behelmte (und/oder bekloppte?) Läufer auf die acht Runden.

Meine Eindrücke vom Lauf:
- Nach vllt zwei Minuten: Mund und Hals total trocken. Na, super. Ok, jeder Getränkestand wird mitgenommen, keine Frage!
- Direkt vor der allerersten ordentlichen Steigung: Holla, die ersten gehen JETZT schon?! Wie wollen DIE ganze 42km überstehen??? Mir auch egal, ich lauf da hoch!
- Ein paar Meter später, nun selbst in der besagten Steigung: Sch…, ist das glatt hier! Der Staub auf dem Boden läßt die Füße einfach nach hinten wegrutschten. Das kostet Kraft, aber: ich lauf trotzdem!
- Erstes ordentliche Gefälle: Sehr gut, jetzt kann ich es laufen lassen, Muskeln etwas locker machen. Aber nix da, auch hier viel zu glatt! Also, bergab gleicher Tippelschritt wie bergauf – suuuper K
- Erstes flacheres Teilstück: hm, auch hier ist der Boden total uneben. Ich hatte gehofft, daß vllt nur Steigungen und Gefälle so uneben wären. Aber nein, auch hier.
Im Endeffekt lief sich die gesamte Strecke wie Kopfsteinpflaster, wie sauhartes, superglattes und sehr unebenes Kopfsteinpflaster. DAS war wahrlich kein schöner Boden zum Laufen.
- Ca. zwei Kurven vor Ende einer Runde konnte ich jedesmal Glockengeläut hören – Hermanns! Sie feuerten nicht nur mich, sondern auch den Rest der Behelmten an. DAAAANKE DAFÜR!!! Hat verdammt gut getan Euch und Eure Glocke zu hören!!! J
- Runde 3: Das Feld hat sich schon deutlich auseinander gezogen, dadurch waren weniger Lampen auf einen Fleck und es wurde dementsprechend immer dunkler auf der Strecke. Die wenigen „Unbeleuchteten“ suchten sich deswegen fleißig Lichtkegel der Lichtgestalten. Es war eindeutig die richtige Entscheidung, mit Lampe zu laufen!
- Nach 4 Runden: Ich lag gut in der Zeit, 2:10 Stunden. Wer mehr als 2:45Std bis hierhin brauchte, wurde vom Veranstalter aus dem Rennen genommen, kam in die Halbmarathon-Wertung. Das waren einige…
- Nach 4 ¼ Runden: Ich wurde überrundet vom späteren Sieger.
- Runde 5, kurz nach einem Getränkestand in einem Gefälle: Ein Läufer legte sich kurz vor mir richtig heftig ab.
Konzentration Hanstein! Denk dran, es ist - noch immer - sauglatt!!!
- Runde 6: Ich mußte austreten, Magen/Darm forderte DRINGEND Erleichterung. Anschließend lief ich das Rennen verhältnismäßig locker zu Ende. Klar, die Steigungen haben mir weh getan. Aber ich konnte selbst in der letzten Runde jede Steigung, jede Rampe laufen. Nur die Füße schmerzten richtig.
- Nach gut viereinhalb Stunden lief ich im Ziel ein, ca. 1,5Std nach dem Sieger, aber LÄCHELND!

Fazit:
Von den 400 Startern ist ca. ¼ Viertel vorzeitig ausgeschieden, freiwillig oder unfreiwillig. Von den verbleibenden ca. 300 Finishern belegte ich den 102. Platz. Damit war ich sogar in meinem „üblichen“ Plan (= erstes Drittel der Ergebnisliste). Aber das war mir dieses Mal wirklich mehr als egal, denn ich hatte es geschafft, ich hab diesen Lauf gemeistert, lächelnd beendet! GENAU DAS wollte ich erreichen, GENAU DAMIT hab ich mir die Zuversicht geholt, daß ich auch den Marathon beim Ironman schaffen werde!
Denn körperliche Fitneß ist beim Langdistanz-Triathlon nur die halbe Miete, du brauchst auch die Willenskraft und den Glauben, es zu schaffen. Ohne das wird es nix...
Ich bin jetzt überzeugt, ich werde es schaffen. Jetzt muß ich nur noch etwas trainieren… ;-)
In diesem Sinne wünsche ich Euch: Alles Gute für 2012, beste Gesundheit und viel Spaß bei welchem Training auch immer!
Euer 3ender Arnd.
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